Limbach-Oberfrohna
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Geschichte der Stadt Limbach

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Die Entwicklung Limbachs vom Bauerndorf zur Industriestadt
 
Auf dem Bild sehen Sie das Rittergut Limbach um 1855.

Geschichte und Gegenwart

Wenn man einen Spaziergang durch die Stadt Limbach-Oberfrohna unternimmt, stellt man fest, dass diese anders ist als die meisten Städte in Sachsen. Man sucht vergeblich ein dichtgedrängtes mittelalterliches Stadtzentrum. Es reicht vom Markt über die Moritzstraße, Hechinger Straße und den Johannisplatz bis zur Helenenstraße. Große Bürgerhäuser wechseln sich mit ländlich anmutenden Häuschen ab. Viel Grün, Parks und Gärten sind in der Stadt zu finden und am Rande laden Natur- und Teichlandschaften zum Spazieren ein.
Im Stadtbild fallen die vielen kleinen und mittelständischen Fabriken auf, in denen aber heute meist nicht mehr produziert wird. Sie alle sind Zeugnisse einer Vergangenheit, in der diese Stadt einen erstaunlichen Aufschwung aufzuweisen hatte. Man stellt sich heute unwillkürlich die Frage, wie es kam, dass ausgerechnet hier, abseits von frühen Handelsstraßen oder Wasserwegen, in unmittelbarer Nachbarschaft des schon frühzeitig vitalen Chemnitz, eine solche junge Stadt entstehen konnte. Es gab hier vor knapp 300 Jahren nur drei Bauerndörfer Limbach, Oberfrohna und Rußdorf. Von diesen war Limbach das Kleinste. Es hatte gerade 12 Bauerngüter, ein Rittergut, eine Kirche, eine Brauerei mit Gasthof und einige Häusler. Neben der Landwirtschaft gab es Leineweberei, wie überall in dieser Gegend.
Wir hätten wahrscheinlich heute noch dörfliche Strukturen, wenn es nicht in Limbach einen Mann gegeben hätte, der zur rechten Zeit am rechten Ort der Region einen vollkommen neuen Erwerbszweig gebracht hätte und dieser nicht Dienstherren gehabt hätte, die die Zeichen der Zeit erkannten und die neuen Unternehmen nach Kräften förderten. Es handelt sich um Johann Esche (1682-1752), der um 1700 einen englischen Handwirkstuhl nachbaute, diesen in großen Stückzahlen vervielfältigen ließ und die Wirkerei in Limbach einführte. Diese verbreitete sich in Windeseile, von Limbach ausgehend, über die Nachbargemeinden nach ganz Westsachsen. Es entstanden hunderttausende neuer Arbeitsplätze, wenn man neben der eigentlichen Maschenwarenindustrie auch die vor- und nachgelagerten Industrien, einschließlich des einschlägigen Maschinenbaus hinzurechnet. Man bezeichnet daher Johann Esche mit Recht auch als Vater der westsächsischen Maschenwarenindustrie.

Helenenstraße um 1900
Helenestraße um 1900

Herausragend in der Industriegeschichte Sachsens ist das Wirken der gesamten Familie Esche. Die Kinder, Enkel und Urenkel des Johann Esche waren allesamt Pioniere der frühen Industrialisierung. Sie brachten neue Entwicklungen nach Limbach und sorgten für eine Verbreitung der Wirkerei in die Nachbargemeinden. In diesem Zusammenhang ist auch eine Frau zu nennen, die in der damaligen Zeit Erstaunliches leistete, Helena Dorothea von Schönberg (1729-1799). Sie hat eine bemerkenswerte Weitsicht gezeigt und wesentlichen Anteil daran, dass das neue Gewerbe sich in ihrem Dorf so günstig entwickeln konnte. So entstanden unter ihrer Regie und Förderung die ersten planmäßig angelegten Strumpfwirkersiedlungen Sachsens, die heutige Helenen- und Dorotheenstraße. Manche meinen sogar, dass diese Siedlungen die Wiege der deutschen Strumpfindustrie gewesen seien. Frau Helena Dorothea von Schönberg erreichte beim König für ihr Dorf das Wirkereiinnungsrecht (1785) und das Marktrecht (1795). Beides war für ein Dorf, in Nachbarschaft von einflussreichen Städten, nicht alltäglich. Dies alles waren wichtige Voraussetzungen für die im 19. Jahrhundert einsetzende stürmische Entwicklung zur Industriestadt.

Auf diesem Bild sehen Sie den Urenkel von Johann Esche -Traugott Reinhold Esche

Gab es 1761 in Limbach "72 Strumpf-, Seiden- und Wollenwirker", bestanden 1836 bereits 70 Wirk- und Textilmanufakturen mit 528 Meistern und 250 Gesellen. Ähnlich verlief die Entwicklung in den benachbarten Dörfern Oberfrohna und Rußdorf, welche heute zur Stadt gehören. Nicht zu vergessen ist dabei auch der Maschinenbau, welcher parallel zur Wirkerei ebenfalls im 18. Jahrhundert entstand. Hier wurden Handkulier- und Handkettenstühle gebaut, später dann auch mechanische Rundwirk- und Kettenmaschinen, sowie Spezialnähmaschinen für die Wirkwarenkonfektion. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Übergang von der häuslichen Manufaktur zur fabrikmäßigen Produktion mit dampfkraftgetriebenen mechanischen Wirkstühlen. Wieder waren Esche-Nachfahren die ersten, die diesen Schritt vollzogen. In einer dieser ganz frühen Fabriken, der ehemaligen Strumpffabrik Reinhold Esche, befindet sich heute das entstehende Industriemuseum

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Industrie von Limbach und Oberfrohna weltbekannt. In den Gründerjahren entstanden massenhaft Industriebetriebe. Die Region entwickelte sich zum weltweit führenden Zentrum der Wirkhandschuhfabrikation, während die Strumpfherstellung an Bedeutung verlor und in Richtung Erzgebirge abwanderte.

Auf diesem Foto sehen Sie Ingenieur Mauersberger an seinem ersten Nähwirkstuhl arbeiten.

1869 wurde in Limbach die erste Wirkereifachschule der Welt gegründet. Ihr erster Direktor war Prof. Gustav Willkomm (1839-1910), welcher sich große Verdienste um die Schaffung einer wissenschaftlichen Grundlage der Technologie der Wirkerei erwarb.
In der weiteren Folge erreichte die hiesige Industrie auf vielen Gebieten führende Positionen, wie z.B. im Kettenwirk- und Spezialnähmaschinenbau. Mit der rückläufigen Nachfrage nach Handschuhen in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts stellte man verstärkt auf die Herstellung feiner Trikotagen um, vorrangig im Unterwäschesektor. Hier erfolgte in den 20er Jahren erstmals der erfolgreiche Einsatz von "Kunstseide" zur Herstellung von Untertrikotagen.
Durch das von dem Ingenieur Heinrich Mauersberger entwickelte, modifizierte Kettenwirkverfahren "MALIMO-Technologie" wurde die Stadt in den letzten Jahrzehnten international bekannt. Ingenieur Heinrich Mauersberger (1909-1982) wurde 1963 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

Bedingt durch den Strukturwandel in der Gesellschaft und der Wirtschaft kam es nach 1990 zu einem Rückgang der einheimischen Industrie. Gegenwärtig ist eine neue Branchenvielfalt kennzeichnend für Limbach-Oberfrohna. Metallverarbeitendes Gewerbe, Fahrzeugzulieferindustrie, Mikromechanik, Informatik, Unternehmen der Textilindustrie und der Dienstleistungssektor sind in der Stadt angesiedelt. Zur Zeit gibt es mehr als 2800 Gewerbeanmeldungen, das heißt hier wurden Arbeitsplätze erhalten und neu geschaffen.
In neu erschlossenen Gewerbegebieten, in traditionellen Industriestandorten und durch die Revitalisierung von Industriebranchen haben sich zahlreiche Unternehmen etabliert. Damit ist Limbach-Oberfrohna wieder eine Industriestadt geworden. Der Bau neuer Wohn- und Geschäftshäuser, die erfolgreiche Innenstadtsanierung, einschließlich der Helenenstraße, die Modernisierung der zahlreichen Sport- und Freizeiteinrichtungen, insbesondere das Freizeit- und Familienbad "LIMBOmar", die moderne multifunktionale Stadthalle und ein vielfältiges kulturelles Angebot tragen dazu bei, dass die Lebens- und Wohnqualität in unserer Stadt von hohem Niveau ist.

Die Orte Kändler, Pleißa, Bräunsdorf und Wolkenburg-Kaufungen wurden in den letzten Jahren eingemeindet, was nicht nur zu einer Vergrößerung des Stadtgebietes, sondern auch zu einem reizvollen Gepräge des Stadtbildes führte.
Das schöne, bereits teilweise sanierte Schloss Wolkenburg, hoch über dem Tal der Zwickauer Mulde, lädt zur Besichtigung und Konzerten ein. Sehenswert sind der renovierte Fest- und Trausaal sowie die Bibliothek aus dem 18. Jahrhundert.
Die Große Kreisstadt Limbach-Oberfrohna, eingeschlossen in Parks, kleine Waldgebiete, Teichlandschaften und nicht zuletzt das reizvolle Tal der Zwickauer Mulde, bietet Erholung für Bürger und Gäste aller Altersgruppen.

 
 
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