4.6. Infrastruktur
Der Begriff Infrastruktur im kommunalen Bereich ist vom Umfang her ganz verschieden auszulegen. Er umfasst je nach Betrachtungsweise kulturelle und soziale Einrichtungen, Straßen, Wohnungen oder Versorgungsnetze. In der Arbeitsgruppe Infrastruktur ging es ausschließlich um leitungsgebundene Netze für die verschiedenen Medien, ungeachtet ob es sich um kommunale Pflichtaufgaben handelt oder die Versorgungsaufgabe durch (Private) Dritte erfüllt wird. Im Bereich der Versorgungsnetze geht es prinzipiell darum eine hohe Versorgungssicherheit nach Quantität und Qualität mit möglichst geringem Aufwand entsprechend auch Gebühren oder Preisen zu erreichen. Nach dem in den zurückliegenden Jahren große Investitionen in die Netze durchgeführt wurden, ist die Zukunft wohl eher dadurch geprägt, dass die damit im Zusammenhang stehenden relativ hohen konstanten Kosten (Abschreibungen) mit überwiegend geringeren Verbräuchen zu refinanzieren sind. Hier sind alle Versorgungsträger gefragt den Einkauf und Betrieb so kostengünstig zu entwickeln, dass in der Folge die Gebühren oder Preise für die Abnehmer nachvollziehbar und vertretbar bleiben.
4.6.1. Wasserversorgung
Die Wasserversorgung und dabei denken wir zunächst an die Trinkwasserversorgung ist eine kommunale Pflichtaufgabe und soll es auch bleiben. Die Stadt Limbach-Oberfrohna ist Mitglied im Regionalen Zweckverband Wasserversorgung – Bereich Lugau Glauchau und hat diese Pflichtaufgabe auf den Verband übertragen. Der Verband ist Eigentümer des Versorgungsnetzes, das heißt aller Rohrleitungen, Hochbehälter und Wassergewinnungsanlagen. Die Wasserversorgung im Verbandsgebiet erfolgt größtenteils mit Fernwasser aus den sächsischen Talsperren, das Stadtgebiet von Limbach-Oberfrohna wird ausschließlich mit Fernwasser versorgt. Die Versorgungssicherheit und die Qualität des Trinkwassers im Stadtgebiet sind außerordentlich gut und erfüllen höchste Ansprüche.
Durch die Verknüpfung mehrerer Ringsysteme kann eine Versorgung auch bei Havarie in einem Teilsystem sichergestellt werden. Die Druckverhältnisse im gesamten Stadtgebiet sind schrittweise verbessert worden und die entsprechenden Investitionen werden in den nächsten ein bis zwei Jahren abgeschlossen sein. Rohrschäden werden in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen behoben. Gegenwärtig kann man von einer tagfertigen Schadensbeseitigung sprechen. Große Investitionen in das Wasserversorgungsnetz der Stadt Limbach-Oberfrohna sind in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Die Investitionstätigkeit wird sich auf die planmäßige Netzerneuerung und dabei insbesondere im Zusammenhang mit städtischen Investitionen beschränken.
Leitsatz:
Die stabile Versorgung mit Trinkwasser in angemessener Qualität und Quantität ist bei angemessenen Gebühren weiterhin sicher zu stellen.
Die Arbeitsgruppe vertritt einhellig die Auffassung, dass die Trinkwasserversorgung dauerhaft in kommunaler Hand verbleiben soll und demzufolge eine Privatisierung auch in Teilen abgelehnt wird. Allerdings wird in den nächsten Jahren zu beurteilen sein, ob die gegenwärtige Verbandstruktur zukunftsfähig ist. Für die Beurteilung dieser Frage wird die neue politische Gliederung ebenso eine Rolle spielen, wie die Entwicklung des Verbrauchsverhaltens unserer Bürger und die Kostenentwicklung für den Rohwasserbezug. Auch wird das Thema Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung aus einer Hand langfristig zu bearbeiten sein.
Leitsatz:
Die Trinkwasserversorgung bleibt dauerhaft in kommunaler Hand.
Langfristig ist die Zusammenführung von Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung wieder anzustreben.
Neben der Pflichtaufgabe Trinkwasserversorgung ist auch die Versorgung mit Brauchwasser ein wichtiges Thema. Durch die lange Tradition der Textilindustrie in der Stadt hatte sich über Jahrzehnte ein vergleichsweise leistungsfähiges Brauwassernetz entwickelt, welches heute noch in Teilen vorhanden ist. Eine nennenswerte Brauchwassernutzung gibt es derzeit durch die Firma Riedel Textil GmbH. Da eine Reihe von funktionsfähigen Quellfassungen nicht mehr für die Trinkwasserversorgung genutzt werden, ist über deren weitere Nutzung zu entscheiden.
Leitsatz:
Quellfassungen und andere Wassergewinnungsanlagen, die nicht der Trinkwasserversorgung dienen sollen erhalten bleiben und der Versorgung mit Brauchwasser dienen oder den Wasserhaushalt regulieren und so der Landschaft nutzen.
Ein gutes Beispiel dafür sind die Quellfassungen im Gemeindewald, diese wurden nur teilweise zurückgebaut und zum Teil durch die Stadt übernommen. Sie dienen jetzt der Wasserspeisung des Rußdorfer Bades und können zukünftig auch für die Erhaltung und Verbesserung der Wasserqualität der Teiche im Gemeindewald genutzt werden. Die Nutzung des vorhandenen Brauchwasserdargebotes soll zukünftig auch im Tierpark und für die Stadtreinigung erfolgen. In ferner Zukunft ist auch die Wasserversorgung des Hallenbades und die Einbeziehung in ein System der Notwasserversorgung zu prüfen und gegebenenfalls zu entwickeln.
4.6.2. Abwasserbeseitigung
Die Abwasserbeseitigung aus Haushalten und von Industrie und Gewerbe ist ebenfalls eine kommunale Pflichtaufgabe, die seit 1995 durch den Zweckverband Frohnbach wahrgenommen wird. Die Stadt Limbach-Oberfrohna und die Gemeinde Niederfrohna sind Verbandsmitglieder.
Das Herzstück der Abwasserbeseitigung ist die neue Kläranlage in Niederfrohna, zu der alle Hauptsammler führen. Die Kläranlage wurde in mehreren Ausbaustufen zu einer der Modernsten in Sachsen entwickelt, sie arbeitet diskontinuierlich und ermöglicht einen außerordentlich guten Reinigungsgrad. Von der Anlage gehen heute faktisch keine Umweltbelastungen mehr aus und sie hat ein großes Rückhaltevolumen. Die Infrastruktur in Form vorhandener öffentlicher Netze oder auch kleinerer Anlagen ist sehr stark differenziert. Während die Ortsteile Limbach, Oberfrohna und Kändler nahezu vollständig an die zentrale Abwasserbeseitigung angeschlossen sind, gibt es in den anderen Ortsteilen einen hohen Anteil von Kleinkläranlagen mit direktem Zugang zum Vorfluter oder auch abflusslose Gruben. Auch im Bereich der Abwasserbeseitigung wurde in den zurückliegenden Jahren im erheblichen Maße investiert, gegenwärtig läuft die Maßnahme – Erneuerung des Hauptsammlers A zwischen Knaumühle und Kläranlage. Die Wohngebiete Am Oesterholz und Tännigt werden derzeit bzw. in unmittelbarer Zukunft an die zentrale Anlage angebunden und erhalten zentrale Netze. Wichtige Investitionen stehen im Zusammenhang mit Straßenbaumaßnahmen, vor allem für die Herrnsdorfer Straße im Ortsteil Wolkenburg und für die Georgstraße, an.
Ansonsten wird sich das Investitionsgeschehen auf die Mitwirkung an kommunalen Maßnahmen beschränken und in Anhängigkeit von den finanziellen Möglichkeiten eine schrittweise Netzerneuerung erfolgen. Für die privaten Anlagen besteht erheblicher Investitionsbedarf bis 2015, bis dahin müssen alle Kleinkläranlagen auf vollbiologischen Betrieb umgebaut bzw. umgerüstet werden. Aus wirtschaftlichen Gründen wird die gegenwärtige Differenziertheit bestehen bleiben. Teile des Stadtgebietes, das sogenannte Verdichtungsgebiet verfügt über zentrale Anlagen. In allen übrigen Gebieten bleiben Kleinkläranlagen die dauerhafte Lösung.
Die entsprechende Gebietsgliederung ist aus dem folgenden Übersichtsplan erkennbar. Dieser Plan stammt aus der Abwasserbeseitigungskonzeption des Abwasserverbandes Frohnbach.
Leitsatz:
Die Abwasserbeseitigungskonzeption des Zweckverbandes Frohnbach in der Fassung von April 2003 wird vollumpfänglich in das Stadtentwicklungskonzept 2020 übernommen. (Diese Konzeption liegt in einzelnen Exemplaren in der Stadtverwaltung vor, kann aber jederzeit in der Geschäftsstelle des Zweckverbandes angefordert werden.)
An Bedeutung gewinnt die schadlose Beseitigung von Niederschlagswasser, diese soll möglichst dezentral und naturnah erfolgen. Eine Einleitung von Niederschlagswasser in die öffentlichen Anlagen belastet diese und ist nicht uneingeschränkt möglich.
Leitsatz:
Die Flächenversiegelung muss auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben, Maßnahmen zur Entsiegelung und Versickerung sind anzustreben.
Im Verbandsgebiet des Zweckverbandes Frohnbach, wird diesem Leitsatz bereits jetzt durch eine getrennte Gebührenerhebung Rechnung getragen, auch wird bei Investitionen vor allem in Erschließungsgebieten die Trennkanalisation durchgesetzt. ▲
4.6.3 Gasversorgung
Die leitungsgebundene Gasversorgung ist ein wichtiger Faktor der Infrastruktur, aber keine Pflichtaufgabe der Kommune. Traditionell gibt es ein gut ausgebautes Netz, welches heute von der Erdgas Südsachsen GmbH betrieben wird und wie der Name schon sagt, ausschließlich Erdgas angeboten wird. Die Stadt Limbach-Oberfrohna ist Mitglied im Zweckverband Gasversorgung in Südsachsen und in soweit mittelbarer Gesellschafter der Erdgas Südsachsen GmbH. Zu Beginn des Jahres 2007 wurden entsprechend der gesetzlichen Forderung Netz und Vertrieb getrennt. Das Medium Erdgas findet vorwiegend für die Raumheizung Verwendung, es hat einen hohen Heizwert und ist faktisch rückstandsfrei zu verbrennen. Gleichzeitig ist es aber ein fossiler Brennstoff der endlich ist und auch CO² erzeugt. Trotz der in den zurückliegenden zwei Jahren stark gestiegenen Kosten, ist die Nachfrage aus der Wirtschaft und den Haushalten ungebrochen hoch. Die Netze sind fast vollständig erneuert und in einem betriebssicheren, technisch hochwertigen Zustand, Altlasten des ehemaligen Gaswerkes sind beseitigt, womit aber die Investitionen im Bereich der Gasversorgung im wesentlichen abgeschlossen sind. Die Erdgas Südsachen GmbH bekennt sich ganz klar zur Zusammenarbeit mit den Mitgliedskommunen im Zweckverband und begleitet die städtischen Investitionen uneingeschränkt. Da es für die Gasversorgung keine Versorgungspflicht gibt, ist das Netz nicht umfassend ausgebaut. In der Ortschaft Wolkenburg-Kaufungen z.B. gibt es keine zentrale Gasversorgung, eine Errichtung ist aus wirtschaftlichen Gründen auch nicht in Planung.
In den Gebieten der Stadt die nicht über eine zentrale Gasversorgung verfügen, ist die Verwendung von Flüssiggas verschiedener Anbieter verbreitet.
An dem derzeitigen Stand der Gasversorgung wird sich im Zeitraum bis 2020 nichts Wesentliches ändern, städtische Investitionen sind nicht vorgesehen.
Für die weitere Arbeit in der Arbeitsgruppe Infrastruktur stehen noch die Themen
- Stromversorgung
- Telekomnikationsnetze ▲