- 4.1. Stadt Umland
4.1.1. Ziele Stadt / Umland
Das Oberziel im Bereich Stadt / Umland lautet:
• Die Bedeutung des Raumes um das Mittelzentrum Stadt Limbach-Oberfrohna mit seinen Nachbarkommunen wird schrittweise profiliert.
Daraus abgeleitete Ziele sind:
• Vor dem Hintergrund, dass die interkommunale und regionale Zusammenarbeit mehr als die Summe einzelner kommunaler Aktivitäten ist, muss die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden rund um das Mittelzentrum Limbach-Oberfrohna deutlich intensiviert werden. Die Stadt Limbach-Oberfrohna strebt beim Aufbau künftiger Organisationsstrukturen eine Vorreiterrolle an.
Die aktuelle gesellschaftliche Situation ist von einer Verschärfung internationaler Wettbewerbe gekennzeichnet. Die kommunale Ebene ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Die Anzahl und der Umfang der von den Kommunen zu bewältigenden Aufgaben sowie die funktional-räumlichen Verflechtungen zwischen den Städten und ihrem Umland bzw. zwischen den Regionen nehmen stark zu. Viele lokale Probleme sind nur noch auf dem Wege der Zusammenarbeit lösbar.
Jede Kooperation verlangt nach einem adäquaten Rahmen. Die Abgrenzung zwischen den Formen der Kooperationsmodelle ist fließend. Die Einigung auf die optimale Form der regionalen Zusammenarbeit hängt stark vom gemeinsamen Verständnis, den verfolgten Zielen und von den mit der Kooperation verbundenen Chancen und Risiken für die zukünftigen Kooperationspartner ab. Noch vorhandene gegenseitige Vorbehalte zwischen Nachbarkommunen sind abzubauen im Sinne einer intelligenten Arbeitsteilung und der Entwicklung eines Zusammengehörigkeitsgefühles, welches die gemeinsame Basis für eine partnerschaftliche und vertrauensvolle Kooperation darstellt.
Als bevorzugte Form der angestrebten Zusammenarbeit wird die Vereinbarung eins Städteverbundes gesehen. Auf Grundlage einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung geben sich die beteiligten Kommunen eine Verfassung, um die Inhalte der Themengebiete zu benennen und die handelnden Organe zu bestimmen.
Sämtliche Aktivitäten der beteiligten Kommunen dienen der Steuerung und Stärkung der Zusammenarbeit sowie der Organisation des Abstimmungsprozesses im Verbund auf Basis der Freiwilligkeit und der Wahrung der rechtlichen Selbständigkeit in vollem Umfang. Die Mitglieder des Städteverbundes verpflichten sich jedoch, den gegenseitigen Abstimmungsprozess sowie den Informations- und Erfahrungsaustausch zu fördern.
Zielsetzungen sind die Stärkung des Regionalbewusstseins und die Verbesserung der Regionswahrnehmung. Gemeinsame Aufgabenfelder zeichnen sich in den Bereichen Wirtschaftförderung, Tourismusförderung, Bewahrung der Siedlungs- und Freiraumstruktur, Verkehrssysteme, soziale Infrastruktur sowie Natur und Umwelt ab.
• Im Sinne einer leistungsstarken und bürgernahen Verwaltung erwartet die Stadt Limbach-Oberfrohna eine Erweiterung des von ihr zu erfüllenden Aufgabenspektrums im Ergebnis der Funktionalreform.
Bei der Ausgestaltung der Behördenstruktur im künftigen Kreisgebiet ist die konsequente Verfolgung des Gedankens zur Realisierung von mehr Bürgerfreundlichkeit entscheidend. Dies geschieht einerseits dadurch, dass eine gute Erreichbarkeit der Behörden des Landkreises erreicht wird, indem neben der Zentralverwaltung am künftigen Kreissitz genügend Außenstellen geschaffen werden. Die verschärft sich ergebende Randlage von Limbach-Oberfrohna im neuen Kreisgebiet lässt sicher keinen Zweifel erkennen, dass der Fortbestand der Außenstelle des Landratsamtes in Limbach-Oberfrohna zu sichern ist. Die Außenstelle sollte sinnvollerweise so strukturiert sein, dass möglichst alle Anliegen der Bürger von Limbach-Oberfrohna gegenüber dem Landkreis an diesem Ort erfüllt werden können.
Genauso wichtig ist jedoch, dass im Sinne einer echten Funktionalreform künftig mehr Aufgaben die bisher in Zuständigkeit des Landkreises lagen direkt auf die kommunale Ebene verlagert werden. Hier liegt ein wichtiger Ansatzpunkt zur echten Stärkung der Mittelzentren. Auf diese Weise können Entscheidungswege vereinfacht werden wodurch nicht nur die Einwohner von Limbach-Oberfrohna sondern auch die der angrenzenden kreisangehörigen Kommunen direkt profitieren werden. Die Stadt Limbach-Oberfrohna ist bestrebt, in diesem Sinne zu wirken und wird einen Vorschlag zu einer sinnvollen Erweiterung des eigenen Aufgabenkataloges erarbeiten.
• Für die Zusammenarbeit zwischen Nachbarkommunen sind Kreisgrenzen generell keine trennenden Hindernisse.
Obwohl Kreisgrenzen verschiedenen Organisationsformen der interkommunalen Zusammenarbeit Einhalt gebieten, sollen diese nicht generell einer Zusammenarbeit entgegenstehen.
Zu den Nachbarkommunen jenseits der östlichen Kreisgrenze bestehen die unterschiedlichsten Verflechtungen. Insofern ergeben sich auch hier verstärkt Anreize für Kooperationen über diese Kreisgrenze hinaus.
Beispielhaft sei hier die Inanspruchnahme der staatlichen Schulen im Stadtgebiet von Limbach-Oberfrohna durch Schüler von außerhalb genannt. In Erwartung evtl. sich abzeichnender Veränderungen der Schulstrukturen und die damit sich ergebenden Transportaufgaben ist ein rechtzeitiger Abstimmungsbedarf unumgänglich.
Ein Austausch von Erfahrungen sowie die Anbahnung von Vereinbarungen sind auch bei der Nutzung verschiedener oder gleichartiger kultur- und Freizeiteinrichtungen anzustreben. Hier ist beispielsweise eine vorausschauende Kapazitätsplanung der Familien- und Freizeitbäder in Limbach-Oberfrohna und Burgstädt zu nennen.
• Die Bedeutung des Oberzentrums Chemnitz mit seinen bestehenden und künftigen Verflechtungen zur Stadt Limbach-Oberfrohna ist ein entscheidendes Kriterium im Sinne der Beibehaltung bzw. beim weiteren Ausbau eines stabilen Entwicklungsraum
Aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zum Oberzentrum Chemnitz bestehen sehr enge funktionale Verflechtungen auf den verschiedensten Gebieten, wie z.B. Infrastruktur, ÖPNV, Wirtschaft und Kultur.
Das Mittelzentrum Limbach-Oberfrohna grenzt nahezu lückenlos an das Siedlungsgebiet des Oberzentrums Chemnitz an. Diese Konstellation ist im westsächsischen Raum eher selten und untermauert die Tatsache, dass die Ausgestaltung der interkommunalen Zusammenarbeit beider Zentren im gegenseitigen Interesse liegt.
Die Stadt Limbach-Oberfrohna hat in den vergangenen Jahren sehr stark von den Wanderungsbewegungen der Bevölkerung aus Chemnitz profitiert. Diese Entwicklung ist nahezu zum Stillstand gekommen, da die Abwanderung aus Chemnitz heraus bis auf Einzelfälle praktisch nicht mehr stattfindet. Dieser Stabilisierungsprozess vollzieht sich trotzdem vor dem Hintergrund des demographischen Wandels mit allen damit verbundenen Herausforderungen.
Vor allem die gegenseitigen Pendlerbeziehungen sind sehr eng. Die gemeinsam verfolgten Bestrebung zur Verbesserung der ÖPVN-Anbindung (Chemnitzer Modell) ist ein Beispiel für eine gewollte engere Verflechtung mit Chemnitz.
An derartige Vorhaben ist auf vielseitiger Grundlage anzuknüpfen im Sinne der Entwicklung einer strategischen Partnerschaft zur Freisetzung von Bindungs- und Innovationsenergien und zur weiteren Vitalisierung des unmittelbaren Verdichtungsraumes.
• Die Ortschaften im Stadtgebiet von Limbach-Oberfrohna stellen eine Bereicherung im Sinne des Identitätsgedankens und des aktiven bürgerschaftlichen Lebens dar. Die Ortschaftsverfassungen werden auf absehbare Zeiträume festgeschrieben.
Die Integration der neuen Ortsteile in die Gesamtstadt in der Folge der Gemeindegebietsreform von 1999 ist erfolgreich verlaufen. Der Stadtrat von Limbach-Oberfrohna hat im Zusammenwirken mit den Ortschaftsräten für eine gerechte Fortentwicklung der in das Stadtgebiet neu hinzugekommenen Ortsteile Sorge getragen. Die Ortschaftsräte sorgen als Entscheidungsträger vor Ort für die Aufrechterhaltung der kulturellen Eigenart und der speziellen Ausprägung des Selbstverständnisses der Einwohner der jeweiligen Ortsteile. Gleichzeitig ermöglichen sie die Beförderung eines angestrebten Vernetzungsgedankens kultureller Aktivitäten für die Gesamtstadt. Die Ortsvorsteher gelten als anerkannte Ansprechpartner der Einwohner und als Repräsentant sowie Bindeglied zu gewachsenen kommunalen Partnerschaften.
Die Jugendarbeit in den Ortsteilen soll auch weiterhin durch wohnortnahe und ortsteilprägende Angebote identitätsstiftend angeboten und organisiert werden.
Die Aufrechterhaltung der Ortschaftsverfassungen ist deshalb erklärtes Ziel für die Stadt Limbach-Oberfrohna.
Anmerkung: Die nachfolgenden Leitsätze wurden ebenfalls in der AG Stadt/Umland entwickelt. Die Themeninhalte sind eher den Fachkonzepten Mobilität oder Freizeit/Kultur zuzuordnen. Trotzdem bestand innerhalb der AG Stadt/Umland der erklärte Wille, dass in der Entwurfsphase des SEK die folgenden Leitsätze an dieser Stelle verbleiben und zur Diskussion stehen sollen.
• Die Belebung touristischer Verkehrswege zur Schaffung einer Vernetzung innerhalb der Stadt besitzt eine wichtige Trägerfunktion zur Erschließung der überörtlichen Wahrnehmung der Gesamtstadt
Die Ausgestaltung touristischer Wege hat einen großen Einfluss auf die Attraktivität der Stadt Limbach-Oberfrohna sowohl für die eigene Bevölkerung als auch für das benachbarte Oberzentrum Chemnitz mit dem unmittelbar angrenzenden Naherholungsgebiet Rabenstein. Die Wegesituation in der Stadt Limbach-Oberfrohna besitzt historisch bedingt keine hinreichende Geschlossenheit in den peripheren Räumen und zum Teil auch im innerstädtischen Bereich. Insbesondere die Verknüpfung zwischen Pleißa und Rußdorf in Richtung Wolkenburg ist in diesem wertvollem Landschaftsraum für Freizeitsportler und Nahtouristen nicht ausreichend wahrnehmbar und bedarf demzufolge einer entsprechenden Entwicklung und Ausgestaltung.
Die verkehrsseitige Anbindung des Schlosses Wolkenburg an die Kernstadt ist eine vordergründige Aufgabe zur Verknüpfung dieses touristisch wertvollen Zieles mit dem bestehenden übrigen Verkehrsnetz.
Die Belebung des in der Vergangenheit als „Alte Bergstraße“ entstandenen Verkehrswegesystems soll nach heutigem Erfordernis als Fuß/Radweg erfolgen. Damit wird eine Brückenfunktion zu dem bestehenden Wolkenburger Bergbaurevier erwartet. Dieses Zeugnis früherer Bergbautätigkeit mit der St. Anna Fundgrube und des Segen-Gottes-Erbstollen bedarf ebenfalls einer besseren touristischen Erschließung.
Zur Aufwertung des touristischen Angebotes mit historischem Bezug (Alte Heeresstraße) wird die Errichtung eines Aussichtspunktes am landschaftsprägenden bewaldeten Höhenzug „Hoher Busch“ vorgeschlagen.
• Die aufeinander abgestimmte Entwicklung der kommunalen und privatwirtschaftlichen Infrastrukturen in Form von Netzwerken auf Grundlage der EU-Förderrichtlinien für den ländlichen Raum bestimmt das Handeln in den ländlich geprägten Ortsteilen und deren Zusammenwirken mit der Kernstadt
Ziel ist es, lokale Wertschöpfungsketten im Zusammenwirken privatwirtschaftlich organisierter Betriebe der Landwirtschaft, des verarbeitenden Gewerbes, des Tourismus und der Dienstleistung zu bilden, in die wiederum verwaltungstechnische und kommunalwirtschaftliche Dienstleistungen einfließen. Die Wertschöpfungskette ist dabei das branchenübergreifende Arbeiten der privatwirtschaftlichen Unternehmen von der Rohstoffgewinnung bis zum Endprodukt, für welches die kommunale Seite eine passgenaue Infrastruktur bereitstellt. Fehlstellen in der kommunalen Infrastruktur können dabei zeitweilig durch gemeinnützige Strukturen überbrückt werden.
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